Wer OpenELEC und einen Raspberry Pi als Mediacenter benutzt, der kann externe Speichermedien wie USB-Stick einfach an einen USB-Port des RasPis anstecken und bekommt die Inhalte automatisch im System angezeigt. Was bei stromsparenden USB-Sticks einwandfrei klappt, versagt allerdings bei stromhungrigeren 2,5-Zoll-Festplatten. Diese laufen meist gar nicht erst an, da die USB-Ports des RasPi nicht ausreichend Strom liefern. Möchte man diese nicht über einen aktiven USB-Hub betreiben, lässt sich mit der richtigen Konfig-Einstellungen aus dem Raspberry Pi Model B+ und dem aktuellen RasPi2 trotzdem genug Strom für externen Festplatten am Raspberry Pi herauskitzeln.
Was bei OpenELEC funktioniert, kappt selbstverständlich auch mit anderen RasPi-Distributionen wie Raspbian oder Arch. Im Endeffekt geht es darum die config.txt
des Systems zu ändern und die entsprechende Option dort einzutragen. Für Einsteiger konzentriere ich mich in diesem Beitrag auf OpenELEC, da viele RasPi-Beginner den Raspberry Pi als Mediacenter einsetzen und dort eben ihre Mediensammlung über eine externe Festplatte am Raspberry Pi einbinden möchten. Wer mit Raspbian und Co. arbeitet, der überspringt am besten einfach den ersten Part und geht direkt zum Bearbeiten der Konfig-Datei über.
SSH in OpenELEC aktivieren
Damit ihr die Konfiguration des Raspberry Pi bearbeiten könnt, ohne den RasPi zu zerlegen und die Speicherkarte auszubauen, aktiviert ihr den in das System integrierten SSH-Server. Dazu öffnet ihr in OpenELEC Optionen | OpenELEC | Services und setzt bei SSH aktivieren euren Haken. Zum Einloggen lest ihr nun unter Optionen | Systeminfo | Netzwerk die IP-Adresse aus und ladet euch auf Windows-Systemen zum Beispiel PuTTY als SSH-Client herunter. Wer mit Linux oder MacOS X unterwegs ist, der muss sich keine weitere Software installieren.
Danach könnt ihr loslegen und config.txt
bearbeiten. Startet dazu ein Terminal oder PuTTY und loggt euch über die IP-Adresse oder den Namen eures OpenELEC-Systems ein — falls die Namensauflösung funktioniert. Die Logindaten lauten root
als Benutzername und openelec
als Passwort. Bei PuTTY müsst ihr die Adresse des Ziels unter Session als Host Name (or IP adress) eintragen und dann mit Open die Verbindung starten. Die Verbindungsdaten könnt ihr bei Bedarf mit Save für später speichern, sodass ihr sie nicht immer wieder neu eingeben müsst.
$ ssh root@openelec # Falls Namensauflösung funktioniert
Steht die Verbindung, landet ihr in einem rein auf Text basiertem Terminal. In diesem müsst ihr erstmal dafür sorgen, dass ihr auf der Systempartition unter /flash
schreiben dürft. Bindet dazu die Partition mit dem ersten Befehl neu ein, die Option rw
am Ende des Kommandos sorgt dafür. Anschließend öffnet ihr die Konfigurationsdatei /flash/config.txt
mit dem zweiten Befehl im Nano-Texteditor, einem Editor der sich auch von Einsteigern recht leicht bedienen lässt.
$ nano /flash/config.txt
USB-Output des RasPi auf 1.2 A erhöhen
Nun geht es ans Eingemachte: Scrollt im Editor mit dem Pfeiltasten jetzt eine gutes Stückchen nach unten, bis ihr zum Abschnitt „various settings“ kommt. Dort fügt ihr nun die Zeile max_usb_current=1
neu ein, die restlichen Optionen übernehmt ihr unverändert — zur besseren übersicht könnt ihr der Zeile noch einen mit einer Raute „#“ abgetrennten Kommentar voranstellen. Mit der Tastenkombination [Strg]+[O] und Eingabe speichert ihr eure Änderungen ab und mit [Strg]+[X] beendet ihr Nano wieder.
# various settings see also: http://elinux.org/RPi_config.txt
#############################################################
[...]
# USB-Output erhoehen
max_usb_current=1
Danach sorgt ihr mit sync
dafür, dass eure Änderungen auch wirklich auf die Speicherkarte geschrieben werden, bindet die Flash-Partition wieder nur mit Leserechten ein und startet das OpenELEC-System einmal neu durch — das Ganze funktioniert wie gesagt auch auf anderen Raspberry-Pi-Distributionen. Arbeitet ihr direkt auf diesen, dann könnt ihr euch das Einbinden der Flash-Partition eventuell sparen und die config.txt
gleich mit Root-Rechten bearbeiten und so externe Festplatten am Raspberry Pi zum Laufen bringen.
$ mount /flash -o remount,ro
$ reboot
Klappt nur mit ordentlichem Netzteil
Ingesamt bewirkt max_usb_current=1
in der config.txt
, dass der Raspberry Pi jetzt nicht nur mehr 600 mA an den USB-Ports anlegt, sondern bis zu 1200 mA Strom liefert, sodass dann auch Scanner oder eben externe Festplatten im 2,5-Zoll-Format ohne ein eigenes Netzteil am Raspberry Pi funktionieren. Dies unterstützt allerdings nur der Raspberry Pi B+ aus der ersten RasPi-Generation und der neue Raspberry Pi 2 — bei den Modellen A und B (ohne Plus) und vermutlich auch den zukünftigen A-Modellen der zweiten RasPi-Generation bewirkt der Schalter in der config.txt
noch nichts.
Beachtet bitte auch, dass die hochgedrehte Stromversorgung der USB-Ports auch nur mit einem ordentlichen Netzteil funktioniert. Das eingesetzte Netzteil sollte mindestens 2000 mAh, wenn nicht gar 2100 mAh wie diese hier liefern. Zeigt euer Raspberry Pi mit max_usb_current=1
und angeschlossener USB-Festplatte ein buntes Viereck in der rechten oberen Ecke des Display an, dann ist es ein sicheres Zeichen, dass euer RasPi nicht ausreichend Strom vom Netzteil bekommt. Bei mir reichte beispielsweise ein USB-Netzteil eines alten Smartphones nicht mehr für den Betrieb der Festplatte aus, auch bei entsprechender Konfiguration des Systems.
Externe Festplatten am Raspberry Pi betreiben (OpenELEC und andere Systeme) ist ein Beitrag von Linux und Ich. Der Beitrag ist lizenziert unter CC BY 4.0. Weitere Informationen und News findet ihr auf Google+, Facebook oder Twitter. Sollte dir hat dieser Beitrag gefallen haben, dann kannst du via Flattr oder mittels Bitcoin 1Jm1CqCpYUxmrxJuy2LGveLkSWieLvNJJN spenden.